Andreas Kollross

  • Twitter icon
  • Facebook icon
  • Youtube icon
  • Flickr icon

10.000 Jugendliche ohne Lehrstelle

Am 28. August traten 21 Bürgermeister aus den unterschiedlichsten Regionen Österreichs mit einem offenen Brief an die Bundesregierung heran. Darin machten sie auf 10.000 Lehrstellensuchende aufmerksam und präsentierten eine Lehrstellengarantie für den Herbst. Über einen Monat später, hat es weder der Bundeskanzler noch ein anderes Mitglied der Bundesregierung geschafft, auch nur einem einzigen Bürgermeister zu antworten.

Die beiden Initiatoren dieser Initiative, der Bürgermeister aus Ternitz, Rupert Dworak, seines Zeichens auch Präsident des Gemeindevertreterverbandes Österreich und Vizepräsident des Gemeindebundes und der Kommunalsprecher der SPÖ, Abgeordneter zum Nationalrat und Bürgermeister von Trumau, Andreas Kollross, finden das eine himmelschreiende Respektlosigkeit.

Zahlen des Arbeitsmarktservice zeigen, dass Ende August über 10.000 Jugendliche eine Lehrstelle suchen. Sie alle suchen eine Lehrstelle in einem Betrieb, aber die Unternehmer melden weit weniger sofort verfügbare Lehrstellen. „Viele Unternehmen haben in dieser Krise nicht die Ressourcen, um Lehrlinge aufzunehmen. Der öffentliche Bereich könnte hier Verantwortung übernehmen und eine Vorbildfunktion einnehmen, indem Gemeinden Lehrlinge ausbilden und so die Jugendarbeitslosigkeit eindämmen.“, erläutert Rupert Dworak nochmals den Vorschlag der Bürgermeister.

Scharfe Kritik kommt vom Kommunalsprecher der SPÖ Andreas Kollross: „Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass kein Jugendlicher im Herbst ohne Lehrplatz dasteht. Die Gemeinden und Städte haben genug Möglichkeiten und Berufsfelder. Was Sie im Moment nicht haben, sind Finanzmittel. Deshalb bieten wir an, die jungen Menschen auszubilden, während der Bund für die Finanzierung sorgt. Allen ist geholfen und kein Jugendlicher muss im Herbst ohne Lehrplatz sein. Es ist somit keine Frage des Machbaren, sondern nur eine Frage des Willens.

Gleichzeitig können die Gemeinden ihre Verantwortung in zunehmendem Maße nicht wahrnehmen, da ihnen schlichtweg aufgrund der ausbleibenden Kommunalsteuern und sinkenden Ertragsanteile, die finanziellen Mitteln fehlen. „Das von der Bundesregierung ins Leben gerufene Kommunale Investitionsprogramm ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der reduzierte Eingangssteuersatz der Einkommensteuer frisst das Investitionsprogramm zur Gänze auf.“, so der SP-Kommunalsprecher Kollross.

Die beiden SP-Bürgermeister sind entsetzt, dass nach weit mehr als einem Monat kein einziges Regierungsmitglied den BürgermeisterInnen geantwortet hat. „Der Bundeskanzler und sein gesamtes Regierungsteam sollten einmal eine Pressekonferenz auslassen und dafür ihre zugestellten Mails beantworten. Es reiht sich allerdings in die Kommunikationsstrategie der Regierung ein: Was nicht zur Message Control passt, wird ignoriert. So geht man nicht mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern um. So geht man vor allem nicht mit jungen Menschen um, die gerade aufgrund dieser Situation in eine Perspektivenlosigkeit gedrängt werden.“, so Kollross und weiter: „Wenn wir nicht wollen, dass wir eine verlorene Generation schaffen, dann muss jetzt gehandelt werden. Die Lösungen der Regierung greifen zu kurz. Der von der Regierung beschlossene Lehrlingsbonus ist eine Scheinlösung. Es braucht Maßnahmen, die sich nicht nur bei Pressekonferenzen gut anhören, sondern auch in der Realität wirkungsvoll sind, fügt Dworak hinzu.“

Dworak und Kollross erneuern deshalb ihr Angebot und ihre Forderung an die Bundesregierung ein gemeinsames Lehrlingsprogramm zu erarbeiten, bei dem die Gemeinden und Städte die Ausbildung übernehmen und der Bund diese finanziert.

Den Offenen Brief der 21 BürgermeisterInnen kann man hier nachlesen: PDF Iconoffener_brief_lehrlingsoffensive.pdf